Handball-Internat nur ein Traum

16.02.2012 CAU-Bericht für Handballverband Schleswig-Holstein - Dem Norden fehlen die Ressourcen

Bericht CAU-Studie - Handball-Internat in Schleswig-Holstein

Dem Handballverband Schleswig-Holstein (HVSH) droht auch zukünftig der Verlust seiner besten Nachwuchsspieler. Denn trotz seiner beiden TOP-Bundesligisten THW Kiel und SG Flensburg-Handewitt sowie dem Zweitligisten VFL Bad Schwartau wird die Realisierung eines zentralen Handball-Internates im Norden nur ein Traum ambitionierter Jugendtrainer bleiben. Zu dieser Einschätzung kommt das Institut für Sportwissenschaften der Kieler Christian-Albrechts-Universität (CAU) im Auftrag des HVSH.

"Schleswig-Holstein ist zwar als Handball-Land zu bezeichnen, allerdings stehen die wirtschaftlichen Ressourcen nicht zur Verfügung ein Internat mit ca. 500 000 Euro jährlichen Kosten zu stemmen, noch scheint bei der Konkurrenz der Standorte und im Verband ein Konsens darüber herstellbar, wo der zukünftige Standort des Internats sein soll", lautet das ernüchternde Fazit von Sportzentrum-Chef Robin Kähler und seinem Team. Zuletzt hatte das Fiasko der Männer-Nationalmannschaft bei der WM in Schweden die Rufe nach mehr eigenen Nachwuchsspielern in den Kadern der Bundesliga-Clubs verstärkt.

Dafür, so die Meinung an einer breiten Experten-Front, seien Handball-Internat an verschiedenen Standorten die Grundvoraussetzung. In der achtwöchigen CAU-Untersuchung kristallisierten sich Kiel und Flensburg als mögliche Heimatgeber eines Internats im Norden heraus. Eine Kooperationsgemeinschaft der beiden Clubs sei laut CAU durchaus vorhanden. Da die SG mit dem Förderverein "get in touch" aber bereits inernatsähnliche Strukturen geschaffen hat, tendiert die Wahrscheinlichkeit einer Internatsbeteiligung in Kiel wohl gen Null. Umgekehrt ist auch das Interesse des THW Kiel am Standort Flensburg eher gering. "Ein zentraler Standort mit guter Infrastruktur wäre wichtig. Und da erscheint Kiel prädestiniert und aus Sicht des THW attraktiver", sagt Raul Alonso, sportlicher Leiter für den Bereich Jugendleistungshandball bei den "Zebras".

Solange das finanzielle Fundament in Kiel und Flensburg derart stabil ist, stellt sich für die Profiklubs die Frage nach dem Mehrwert eines Internats. Der schnellere Weg ist immer noch "fertige" TOP-Stars mit lukrativen Verträgen zu locken, anstatt jahrelang in die Ausbildung der Talente zu investieren, von denen sowieso niemand weiß, ob sie jemals den Sprung nach ganz oben schaffen. "Solange daher eine Nachwuchsarbeit, zumal in Händen ehrenamtlich geleiteter Verbände, weder kalkulierbare wirtschaftliche Erfolge für den Geschäftsbetrieb Handballprofiliga bringt, noch die Investitionskosten der Bundesliga für Spieler nachweislich verringern würde, wird sich an dieser bisherigen Praxis bis auf weiteres nichts ändern", so Kähler.

Trotz "get in touch" in Flensburg wanderten laut CAU-Bericht in den Jahren 2008 und 2009 rund 15 schleswig-holsteinische Spieler in Richtung anderer Sportinternate ab. Trotz allem liegt Schleswig-Holstein im Ländervergleich der Auswahlmannschaften in der Spitzengruppe. Kähler: "Man mag als Handballsport-Begeisterter bedauern, dass es nicht möglich sein wird, ein Internat aufzubauen. Der Attraktivität des Handball-Landes wird es aber vermutlich keinen Abbruch tun. Aber vielleicht sollte man eine sportbetonte Schule mit dem Schwerpunkt Handballsport erreichen." Laut CAU-Bericht könnte das vermehrte Abwandern starker Spieler den Ländervergleich negativ beeinflussen und dadurch Zuschüsse durch den LSV gefährden.

Quelle: Kieler Nachrichten - Samstag, 23.07.11 - Frank Molter

Partner & Förderer